Werden VCs nun mehr auf Cash-Efficiency achten? Und welche Second-Order Effekte haben wir vielleicht noch nicht berücksichtigt? Wir hatten die Chance mit Sebastian Scheib, Investment Manager beim Main Incubator, über seine Sicht auf den Impact des Coronavirus auf den VC Markt zu sprechen. Enjoy the Interview!

Sebastian, wie hat das Coronavirus aus Deiner Sicht das Funding-Environment im VC Markt geändert?

Das Coronavirus hat verständlicherweise zu einer größeren Unsicherheit unter Investoren geführt. Gerade im Hinblick auf die zukünftig zu erwartenden Cashflows von Startups tun sich viele VCs schwer, eine Prognose abzugeben. Dies hat zur Folge, dass VCs nun etwas zögerlicher sind und lieber abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Innovative Startups, die ein reelles Problem in einem attraktiven Markt lösen, werden aber weiterhin Geld einsammeln können. Wir beim Main Incubator sind beispielsweise weiterhin auf der Suche nach spannenden Startups und sehen die Krise eher als Chance, da jede Krise auch Gewinner hervorbringt.

Welche Business-Modelle werden in dieser Krise auf größeres Interesse von Investoren stoßen?

VCs werden ein größeres Augenmerk auf die Cashflows legen. Cash-effiziente und ggf. sogar profitable Startups werden es deshalb deutlich leichter haben als andere. Diesen Trend konnte man allerdings auch vor der Krise schon in Ansätzen beobachten. Wir sind hier glücklicherweise gut aufgestellt, da uns beim Main Incubator Cash-Efficiency bereits vorher sehr wichtig war. Zudem werden auch die Umsatzziele der Startups vermehrt einem Reality-Check der Investoren unterzogen werden und Startups sollten sich darauf vorbereiten mehrere Szenarien in ihren Finanzmodellen einzubauen.

Wie sollten Startups auf das neue Funding-Environment reagieren?

Manche VCs werden nun versuchen die Bewertungen zu drücken. Zudem haben es manche Geschäftsmodelle in diesem neuen Umfeld einfach schwerer als andere. In jedem Fall ist es ratsam als Startup nun vorsichtiger zu agieren, die Ausgaben zurückzufahren und den Runway zu verlängern. Wenn man als Startup zudem die Option hat Cashflow-Positiv zu werden, kann man diese Krise besser überstehen. Und auch wenn das Investoreninteresse am eigenen Startup weiterhin ungebrochen ist, würde ich Gründern empfehlen, aufgrund von COVID-19, größere Risiken nur sehr bewusst einzugehen.

Für welche Geschäftsmodelle könnten dieser Krise längerfristige Chancen entstehen?

Es gibt natürlich einige offensichtliche Gewinner dieser Krise, wie z.B. Startups im Bereich Remote-Work und andere Communication Tools. Ich glaube viele Second-Order Effects werden sich erst mit der Zeit zeigen. Ich kann mir bspw. vorstellen, dass auch nach der Krise viele Leute mehr Zeit zuhause verbringen werden, weil das Familienleben für Sie an Wert gewonnen hat. So könnten Wohnungen außerhalb der Innenstädte wieder attraktiver werden, was wiederum Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle schafft.

Wie können Investoren und Gründer sich am am besten durch diese Zeit navigieren?

Das Leben und die Wirtschaft wird auch nach Corona weitergehen. Als VC sollte man deshalb seine Zusagen auch in schwierigen Zeiten wie diesen halten. Unser Ansatz ist deshalb klar: Ein Wort ist ein Wort. Wir ziehen keine Termsheets zurück, verhandeln keine Terms nach und stehen zu unseren Commitments. Nicht nur die jetzigen Startups, sondern auch die zukünftigen Gründer können nun sehen, welche VCs auch in schweren Zeiten zu ihrem Wort stehen und welche nicht. Als Gründer würde ich mich in dieser Zeit darauf konzentrieren, dass ich weiterhin ein relevantes und hinlängliches Problem löse. Sofern das der Fall ist, wird es auch weiterhin möglich sein Funding von Investoren zu erhalten.

Sebastian, danke für das Gespräch!

Sebastian Scheib ist Investment Manager beim Main Incubator. Der Investment Fokus des Main Incubators liegt auf Fintech Startups in der Seed & Series A Stage.



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